NICCI FRENCH

INTERVIEW ZU »BLAUER MONTAG«

mit Sean French und Nicci Gerrard zum Start ihrer neuen Krimiserie

Blauer Montag ist das erste Buch einer groß angelegten Krimireihe. Wie sieht das Konzept der Serie aus?

Sean: Auf Blauer Montag werden sieben weitere Romane mit der Therapeutin Frieda Klein folgen, deren Titel durch die Abfolge der Wochentage geprägt ist. Der zweite Roman, der in einem Jahr erscheint, wird Tuesday Gone heißen.

Und was hat es mit dem achten Roman auf sich?

Nicci: Der achte Roman rundet die Serie ab und fungiert als Finale der gesamten Reihe. Denn im letzten Band wird deutlich, dass in allen vorhergegangenen Romanen schattenhaft ein weiterer Fall versteckt ist: ein übergreifender Thriller, dessen Plot sich fortsetzt. Wie eine Sicherung, die langsam durchbrennt. Der Leser muss die Vorgängerromane nicht gelesen haben, doch falls er es getan hat, wird er entdecken, dass es einen roten Faden gibt.

Sean: Trotzdem steht natürlich jeder der acht Romane für sich alleine – mit allen Qualitäten eines Einzelthrillers, also mit einem Verbrechen, einer Auflösung und einer überraschenden Wendung am Schluss.

Wieso haben Sie mit Frieda Klein eine Therapeutin als Serienheldin gewählt?

Sean: Die Tatsache, dass Frieda Therapeutin ist, ermöglicht uns, einige der Ängste und Formen psychologischen Terrors ausleuchten zu können, mit denen die Menschen in unserer modernen, zersplitterten Welt ohne Glauben zu kämpfen haben. Wir schreiben keine Thriller über gewiefte Serienkiller, die die Polizei reinlegen, sondern wollen zeigen, dass die Bedrohung im Alltag lauert. Das Grundthema unserer Serie ist der Schrecken und die Merkwürdigkeit menschlicher Existenz.

Was wird Frieda in den folgenden Bänden zustoßen?

Nicci: Wir wollen hier keine Einzelheiten verraten, aber so viel ist sicher: Der Leser folgt Friedas Lebensweg durch ein Jahrzehnt traumatischer Ereignisse und wird mit den Figuren aus ihrem Umfeld und deren Geheimnissen vertraut. Eine von ihnen wird ermordet, eine andere verraten. Und Frieda, die ihr Leben so sehr unter Kontrolle hat, geht eine leidenschaftliche Beziehung ein, die ihr komplettes Leben auf den Kopf stellt. Und natürlich lernen wir auch Friedas komplizierte Familie näher kennen und erfahren einiges über Friedas Vergangenheit.

Einen Thriller – und nun zum ersten Mal eine komplette Serie – gemeinsam zu konzipieren und zu schreiben, ist sicherlich eine große Heraus forderung. Wie gehen Sie dabei konkret vor?

Sean: Zuerst sitzen wir zusammen, um intensiv über das Thema und die Dramaturgie des Romans zu diskutieren. Das kann lange dauern. Wir müssen beide in gleichem Maße von der Idee begeistert sein, sonst funktioniert es nicht. Erst wenn wir das Gefühl haben, beide wirklich denselben Roman im Kopf zu haben, können wir mit dem Schreiben beginnen.

Nicci: Doch wir schreiben nie gemeinsam, im Gegenteil, wir haben die größtmögliche Distanz: Sean schreibt in einem kleinen Gartenhäuschen und ich in meinem Arbeitszimmer unterm Dach. Das ist die erste wichtige Regel für uns. Dann schicken wir uns die Kapitel per E-Mail hin und her. Wenn ich ein Kapitel von Sean erhalte, habe ich die Freiheit, es eigenmächtig zu verändern, umzuschreiben, Passagen hinzuzufügen oder sogar das ganze Kapitel zu löschen. Dann schicke ich ihm mein nächstes Kapitel. Wir machen es, ohne den anderen über die genauen Änderungen in Kenntnis zu setzen oder sie zu begründen. Nicht wie ein Lehrer, der mit dem Rotstift herumkorrigiert, das wäre demütigend. Und dann gibt es noch eine zweite Regel: Wir werden niemals irgendjemandem verraten, wer welches Kapitel geschrieben hat.