NICCI FRENCH

SEAN FRENCH

Sean French

© C. Bertelsmann Verlag/Christian Rohr

Ich wuchs in Nordlondon auf. Mein Vater war ein Kunstkritiker (er ist noch immer ein Filmkritiker beim Observer) und ich habe in meiner Kindheit viel Zeit damit verbracht, ins Kino, ins Theater oder in Ausstellungen zu gehen (ich habe auch Rugby und Gitarrensolos auf meinen Tennisschläger in meinem Zimmer gespielt). Meine Mutter ist aus Schweden, und wir haben unsere Sommer immer in der ländlichen Provinz von Varmland in Schweden mit Angeln, Schwimmen und Pilzesammeln verbracht. Nachdem ich mit neun meine Pläne als Fußballer und mit zwölf meine Karriere als Tennisstar aufgegeben hatte, habe ich niemals wirklich in meinem Leben etwas anderes machen wollen als schreiben. Also ging ich nach Oxford an die Universität und studierte Englische Literatur. Nicci war zur gleichen Zeit dort und studierte das gleiche, doch wir sind uns nie begegnet. Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich an Bruchstücke – Tennis auf Rasenspielplätzen, nächtliche trunkene Gespräche, versteckte Parks – und an die Literatur, die außerhalb der Universitäten – leider – niemand liest: Chaucer, Spencer, Milton, Samuel Richardson. Nach der Universität bin ich in den Journalismus reingerutscht, ich schrieb für die Sunday Times Buch- und Filmkritiken, interviewte Autoren und Filmregisseure. Zwischen zwanzig und dreißig genoss ich (meist) unmittelbare Genugtuung in dieser Form: Man schreibt heute einen Artikel, morgen wird er veröffentlicht, übermorgen ist er Vergangenheit. Bis ich Nicci traf, hatte ich immer beinahe endlos viel Zeit und nie einen Text verfasst, der länger war als ein paar tausend Worte. Nachdem wir uns getroffen hatten, musste ich plötzlich auf zwei, dann drei, dann vier Kinder aufpassen. Meine freie Zeit war weg, mein Schlaf auch. Ich war meistens erschöpft, doch irgendwie hatte ich die Energie, mit dem Schreiben von Büchern anzufangen. Ich schrieb Romane, eine Biographie, Filmbücher, und als ich meinen zweiten Roman im Herbst 1994 beendet hatte, hatten Nicci und ich eine Idee. Kann man ein Buch zusammen schreiben?